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Ergebnisse

In den Projektmonaten 1 bis 5 wurden – neben der aktuell laufenden Querauswertung der landes- und regionalplanerischen Praxis zum Umgang mit den vier KlimREG Handlungsfeldern "Vorbeugender Hochwasserschutz", "Küstenschutz", "Schutz vor Hitzefolgen" und "Regionale Wasserknappheiten" – Auftaktgespräche mit den drei Praxistest-Regionen geführt.

Die Auftaktgespräche wurden mit dem Regionalverband Ruhr am 05.02.2015 in Essen, mit der Regionalen Planungsstelle Mittelthüringen am 05.03.2015 in Weimar und mit der Regionalplanung in Schleswig-Holstein am 25.03.2015 in Kiel geführt. Die Regionalplanung ist dort für alle drei Planungsräume in der Staatskanzlei angesiedelt.

Basierend auf den Auftaktgesprächen zeigt sich zum gegenwärtigen Projektstand die nachfolgend dargestellte Ausgangssituation in den drei Praxistest-Regionen.


Betroffenheit durch die Folgen der klimatischen Veränderungen

Aufgrund der unterschiedlichen naturräumlichen Ausgangsbedingungen differiert die wahrgenommene Einschätzung der Relevanz der einzelnen Handlungsfelder der Klimaanpassung zwischen den Regionen. Gemeinsam ist ihnen, dass die Interviewten die Bedeutung des vorbeugenden Hochwasserschutzes in Flussgebieten als hoch einschätzen. Regional spezifische Herausforderungen bilden kleinräumige Überflutungen innerhalb von Siedlungen im Ruhrgebiet und der Rückhalt von Niederschlagswasser im Oberlauf der Gewässer im Thüringer Wald in der Region Mittelthüringen.

Der Schutz vor Hitzefolgen in Siedlungsbereichen ist flächendeckend für das Ruhrgebiet relevant. Dagegen sehen die Interviewten der Regionen Mittelthüringen und Schleswig-Holstein die Bedeutung des Handlungsfeldes auf die Stadt Erfurt bzw. das hamburger Umland beschränkt.

Die beiden verbleibenden projektrelevanten Handlungsfelder betreffen jeweils nur eine Region. Aufgrund seiner Lage zwischen Nord- und Ostsee ist das Handlungsfeld Küstenschutz allein für den Planungsraum III Schleswig-Holstein von Bedeutung, während regionale Wasserknappheit insbesondere das Thüringer Becken in der Region Mittelthüringen betrifft.


Angestrebte Festlegungen zur Klimaanpassung

In allen drei Regionen bestehen bereits Überlegungen zur Änderung der Festlegungen im Handlungsfeld vorbeugender Hochwasserschutz in Flussgebieten. Sowohl im Ruhrgebiet als auch in Mittelthüringen betreffen sie die Abgrenzung der Raumordnungsgebiete. Allerdings unterscheiden sich die Überlegungen in ihrer Zielrichtung.

Während der Regionalverband Ruhr eine räumliche Erweiterung der Retentionsflächen anstrebt, plant die Regionale Planungsgemeinschaft Mittelthüringen, die Gebietskulisse der Vorbehaltsgebiete Hochwasserschutz zu verkleinern. Maßgeblich dafür sind aktuelle Datengrundlagen, die eine zu weiträumige Abgrenzung der bestehenden Raumordnungsgebiete belegen. Darüber hinaus sollen im Regionalplan Mittelthüringen Talsperren und Rückhaltebecken punktuell mit der Regelungsqualität eines Grundsatzes dargestellt werden.

Auch die Regionalplanung in Schleswig-Holstein wird sich bei der Neuaufstellung der Regionalpläne mit dem vorbeugenden Hochwasserschutz in Flussgebieten auseinandersetzen. Die Ermächtigungsgrundlage für die Ausweisung von Vorrang- und Vorbehaltsgebieten wird der neue Landesentwicklungsplan. In allen drei Regionen bilden die Daten, die im Zuge der Umsetzung der Hochwasserrisikomanagement-Richtlinie gewonnen wurden, die Datengrundlage für die Ausweisung von Raumordnungsgebieten.

Darüber hinaus bestehen im Regionalverband Ruhr bereits Überlegungen zur Rücknahme von Bauflächen, um Siedlungsbereiche vor Hitzefolgen zu schützen.

Für den Planungsraum III, Schleswig-Holstein, ist die Bedeutung des Küstenschutzes zwar hoch, jedoch dominiert die Fachplanung Küstenschutz in dem Handlungsfeld, so dass die Interviewten hier kaum initiative regionalplanerische Handlungsmöglichkeiten sehen. Langfristig streben sie allerdings an, Möglichkeiten für neue innovative Küstenschutzstrategien zu erkunden und ihre Notwendigkeit mit der Fachplanung zu erörtern. Vorstellen können sie sich z. B. den Ausbau der in weiten Teilen vorhandenen zweiten Deichlinie an der Westküste und der Elbe sowie die Koordination von Flächennutzungskonflikten zwischen Küstenschutz und Tourismus. Weiterhin streben sie eine verstärkte Verknüpfung zwischen formeller und informeller Planung im Sinne einer strategischen Regionalplanung an.


Vorgehen im Projekt

Der Auftakt für die intensive Arbeitsphase der Praxistest-Regionen zur Entwicklung innovativer Festlegungen ist ein regionsübergreifender Workshop im September 2015, in dem aufbauend auf der Auswertung der wissenschaftlichen Diskussion und den empirischen Ergebnissen aus den Regionen sowie vor dem Hintergrund der spezifischen Rahmenbedingungen der beteiligten Regionen mögliche Innovationen für das Instrumentarium diskutiert werden.

Der Regionalverband Ruhr strebt danach in der Region eine Diskussion wünschenswerter Zielzustände an, etwa das Ausbleiben von Schäden bei Hochwasser mit einer bestimmten Jährlichkeit oder konstante Temperaturen in den Innenstädten. In Zusammenarbeit mit der Fachplanung sollen daraufhin Maßnahmen zur Erreichung der Ziele entwickelt werden. Aufbauend auf den entsprechenden Vorarbeiten können dann Festlegungen für den Regionalplan entwickelt werden, die beispielhaft für bestimmte Bereiche im Plan dargestellt werden. Diskutiert werden sollen diese Vorschläge in einem Planspielworkshop im Dezember 2015.

Für die Region Mittelthüringen sollen Festlegungen für die Handlungsfelder "Schutz vor Hitzefolgen in Siedlungsbereichen" und "Vorbeugender Hochwasserschutz in Flussgebieten" sowie eventuell "Regionale Wasserknappheiten" entwickelt und ebenfalls anhand ausgewählter Bereiche in der Region kartografisch dargestellt werden.

Ein Planspielworkshop unter Beteiligung betroffener Kommunen und Fachbehörden ist für den November 2015 vorgesehen. Darüber hinaus sollen die Ergebnisse in Form von überarbeiteten Festlegungen mit der Politik in der Planungsversammlung Anfang 2016 diskutiert werden.


Vorschläge für Instrumenteninnovation

Die Interviewpartnerinnen und -partner äußerten bereits eigene Vorstellungen für innovative Festlegungen zur Klimaanpassung in den Regionalplänen. Diese werden im Folgenden stichpunktartig wiedergegeben:

  • Ausrichtung der räumlichen Abgrenzung der Vorranggebiete Hochwasserschutz an einem HQ 200
  • Definition von Kriterien für Ausnahmen vom Bauverbot in Vorranggebieten Hochwasserschutz verbunden mit einem verpflichtend durchzuführenden Ausgleich des Retentionsraumverlustes
  • Entwicklung eines gesonderten Raumordnungsgebietes "Überflutungspolder"
  • Klärung der regionalplanerischen Handlungsmöglichkeiten beim Umgang mit den Folgen von Starkregenereignissen in Innenstädten
  • Staffelung von Festlegungen zum Umgang mit klimatischen Risiken
  • Definition von Zielwerten für Siedlungsklimaindikatoren in Städten
  • Definition von Qualitätsvorstellungen für den Siedlungsbestand
  • Verknüpfung von Raumordnungsgebieten zur Sicherung von Kaltluftentstehungsgebieten und -transportbahnen mit der Brachflächenproblematik
  • Sicherung von Brauchwasser, u.a. durch Brauchwassertalsperren


Diskussionspapier "Regionalplanerische Festlegungen"

Möglichkeiten und Grenzen zum Umgang mit den Folgen des Klimawandels

Das Diskussionspapier dokumentiert Best-Practices für regionalplanerische Festlegungen zur Klimaanpassung und zeigt Ansätze für die Weiterentwicklung. Dabei konzentriert sich das Papier auf die vier Handlungsfelder vorbeugender Hochwasserschutz, Küstenschutz, Schutz vor Hitzefolgen in Siedlungsbereichen und Regionale Wasserknappheit. Darüber hinaus thematisiert das Diskussionspapier Handlungsfeld-übergreifende Ansätze zur Klimaanpassung.

KlimREG – Klimawandelgerechter Regionalplan - Diskussionspapier (PDF, 231KB, Datei ist barrierefrei⁄barrierearm)